Dienstag, 6. Januar 2015

HIPHOP

„HipHop started out in the Parc…when the Days got dark…got me reminiscing back…!”
(Smif-N-Wessun)

Mit HipHop verhält es sich wie mit den Weltreligionen: Die Ideen, die moralischen Grundsätze sind wunderbar, aber die Interpretationen und Umsetzungen des Ganzen durch Einzelne werfen einen langen Schatten. Missverständnisse, Klischees und Vorurteile prägen das Bild.
Gefangen zwischen Pop und Subkultur, zwischen Poesie und Polemik wird diese Kultur fast täglich auf den medialen Opfertisch getragen. Einige schreien frenetisch „Ich lebe für HipHop“, andere rümpfen die Nase und deklarieren ihn als jugendgefährdend. HipHop ist und bleibt ein Phänomen und für die Masse unverständlich – obwohl im er Mainstream immer mehr konsumierbar geworden ist.

Seit ich denken kann musste ich mich für meinen Musikgeschmack oder vielmehr für meine Liebe zur HipHop-Kultur entweder rechtfertigen oder entschuldigen. Zumindest in bestimmten Kreisen und je älter ich werde, desto absurder werden die Sprüche, die ich mir geben muss. „Bist du dafür nicht schon zu alt!?“ oder „Wie lange glaubst du, kannst du das noch machen?“ oder „Du Hängengebliebener!“ Zugegeben, es gibt auch sehr viel positives Feedback und genau darin spiegelt sich die Zerrissenheit unserer Gesellschaft wieder.
Wenn ich sagen würde, ich bin Profi-Fußballer und verdiene 1,2 Millionen im Jahr, dann würden mir wahrscheinlich die Schultern geklopft. Wenn ich nach meiner Fußballer-Karriere dann im Fernsehen stehen und versuchen würde ein Fußballspiel zu kommentieren, dann würden alle sagen: „Der versteht wenigstens was davon, der hat es ja selber jahrelang gespielt!“
Nur bei uns HipHop-Leuten scheint Erfahrung und Alter eher etwas Negatives zu sein. Dass wir bei Fußball aber von Sport und bei HipHop von Kultur reden, dass man Fußball SPIELT und es keinen größeren Anspruch gibt als Tore zu schießen, dass vergessen viele. Ich möchte mich gar nicht negativ über Fußball auslassen, denn, wenn ich sehe, wie viele Jugendliche durch die Liebe zu diesem Sport Kraft finden und wie viel Spaß er macht, dann hat er meine 100%ige Unterstützung – auch wenn ich kein Fußball-Verrückter bin.

Ich fühle mich manchmal wie der Bewohner eines Gallischen Dorfes, umzingelt von Helene Fischer-Fans (No hate – Lass sie!). Offensichtlich schafft es unsere Gesellschaft neben den authentischen, schießwütigen, tätowierten, rappenden Ex-Justizvollzugsinsassen über die überall berichtet wird, die Existenz der anderen Waagschale vollends auszublenden. Ich würde lachen wenn es nicht so traurig wäre, aber das Harlekin-Kostüm steht mir einfach nicht.

Ich hingegen kämpfe mit lächerlichen Gesten, Yo Yo-Rufen und den obligatorischen „brennenden Mülltonnen“. XXL-Shirts und schiefe Caps werden belächelt, aber Kicker-Matte, T-Shirt in die Karotten-Jeans und Ed Hardyeske Desingsn sind akzeptiert. Okay, es hat sich vieles geändert. HipHop ist groß wie nie, er hat sich in alle Teile der Gesellschaft gesneakt und bestimmt die Ästhetik vieler Dinge. Die jüngere Generation hat diese Aversion nicht mehr, aber sie hat traurigerweise zu oft, ein zu einseitiges Bild von HipHop.

Auf der einen Seite finde ich es erfrischend zu sehen, dass Rap aus Deutschland mittlerweile mehr Relevanz hat, als der aus den USA. Heutzutage lässt sich der Nachwuchs mehr von den Rappern aus ihrer Nachbarschaft inspirieren, als von den Weltstars. HipHop ist endlich ganz in Deutschland angekommen – mit eigener Identität. Früher war das nicht so.
Andererseits ist die Gefahr allerdings auch hier, dass es wieder ein Extrem ist. Sind wir ehrlich: HipHop ist nicht nur USA und BRD - schönes Beispiel ist doch an dieser Stelle die Kollabo von Retrogott und Brous One aus Chile. Es ist so viel großartige Zusammenarbeit möglich geworden – dank des Internets.

Ich komme aus einer Zeit, in der der HipHop U.S.-geprägt war und das hat meinen Geschmack extrem beeinflusst.
Rückblickend haben wir uns anfangs mehr an den amerikanischen Acts orientiert, als an uns gegenseitig – ganz schön bescheuert eigentlich. Wenn ich jetzt zum Beispiel alte Aphroe Songs höre, dann frage ich mich ernsthaft, warum wir über den Teich geblickt haben, wo das Gute doch direkt neben uns war. Das einzusehen hat allerdings fast 15 Jahre gedauert.

Ich kämpfe mit der Zwiespältigkeit, der Existenz zwischen Bildung/Wissen und völliger Ignoranz. Einfach ausgedrückt: Ich stehe zwischen KRS und Snoop Dogg. Ich mag übrigens beide. Während HipHop hierzulande hooliganmäßige Formen des Fantums angenommen hat, sieht es in den USA. anders aus. Dort kooperieren Leute, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben – z.B. Public Enemy/Ice Cube oder Nas/Scarface. Hier in Deutschland wäre eine Kollabo zwischen Bushido/Torch damit vergleichbar. Das klingt für jeden eher undenkbar, denn das ist nur dann möglich, wenn entweder a) sich alle als Teil einer Sache sehen oder b) es ein gemeinsames Ziel gibt. Beides ist momentan wohl nicht vorhanden.
Ich stelle mir die HipHop-Community wie eine große Familie vor – und um ganz realistisch zu sein – seine Verwandtschaft sucht man sich nicht aus. Zu den Einen hat man ein gutes Verhältnis, zu Anderen ein eher distanziertes. Ich habe Menschen in meiner Verwandtschaft, mit denen möchte ich auch nicht unbedingt in den Urlaub fahren. Am Ende allerdings, steht man doch zusammen. „Gleiches Blut.“

Wenn ich mir Rap in Deutschland genauer betrachte, dann stelle ich fest, dass ich mittlerweile mehr „Street“ oder „Gangster“ Rapper aus den Massen-Medien kenne als „Concious-Spitter“. Ich lese im Spiegel etwas über Rapper, die als Terroristen betitelt werden oder von Gangster-Rappern, die Geldtransporter überfallen. Im Gegenzug liest man – wenn man Glück hat – vielleicht etwas über das Phänomen Cro – aber das war's dann schon fast mit positiver Berichterstattung.

Ich weiß, dass es da draußen eine Menge an großartigen MCs gibt, die andere Themen verarbeiten als Straße oder Gangstertum, aber Sex und Crime sells – der Beste im Lesewettbewerb zu sein macht einem nicht grade zum sexy Aufreißer.

Auch interessant ist, dass 3 von 4 erfolgreichen Rappern in Deutschland Masken tragen bzw. trugen - wobei man bei Marsimoto sagen muss, dass ja jeder weiß wie der Marten aussieht. Anders ist es bei Sido (auf jeden Fall lange gewesen) und jetzt bei Cro. Sogar im Underground macht sich das Masken tragen breit - siehe Genetikk oder Lance Butters. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen das Maskieren – ich finde es nur interessant zu sehen, dass der Mainstream offensichtlich besser mit deutschsprachigem Rap klar kommt, wenn sich der Protagonist sich nicht zu erkennen gibt. Warum? Was löst so eine Maske aus?

Viele Leute sagten mir vor längerer Zeit, ich sollte doch auch mal „so etwas“ machen. Damit meinten sie „Street“-Rap. Zu 95% waren es Leute, die mit HipHop nichts zu tun haben – für die es keinen Unterschied zwischen Fantas und Blumentopf gibt. Sie behaupteten, ich sei besser als „diese“ ganzen Sidos und Savas' (so sagten sie es). Ich hasse diese Ansprache. Ich teile ihre Meinung nicht, denn es ist – und ich meine es wertfrei – als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen. Wo fängt „besser“ überhaupt an? Bei Inhalten, bei Technik ? Jeder der oben genannten Künstler hat seinen Platz oder wie sagt man: Jeder Affe hat seinen Ast. Auch ich hab meinen. „Diese“ Sidos und Savas' sind eine Bereicherung für die HipHop-Kultur – genau wie die Caspers und Ekos. Die Vielfältigkeit macht sie so Interessant – unsere Kultur.
Es ist und war nie meine Intention mich dem Zeitgeist oder dem Massengeschmack anzupassen. Oder soll ich mir jetzt eine Maske aus Fimo basteln oder mit Henna den Oberkörper tätowieren nur um in die Ikea-Schublade für Klischee-Rapper zu passen? Musikalisches Pinguin-und Lemmingtum sind mir zu wider. Mein Musikmachen hat nicht mit Kunden bedienen angefangen. Ich habe mich für Musik als Ausdrucksmittel entschieden – nicht als Mittel zum Geld verdienen. Ich habe größten Respekt vor z.B. Kellnern oder Kassierern, die arbeiten um Geld zu verdienen, ohne die Chance sich in ihrem Beruf verwirklichen zu können und gerade deshalb ist es ein Privileg für mich von HipHop zu leben.
Viele denken oder erwarten von mir, dass ich ein Gegner von Gangster- oder Battle-Rap bin, aber das bin ich nicht. Ich meine, um es bildlich auszudrücken, immer nur grüner Tee wird auf Dauer auch eintönig. HipHop ist ein Spiegel des Lebens,
mit allen Facetten. Das Schöne daran ist, jeder kann entscheiden, was er hören will – außer vielleicht die Leute in Bürogemeinschaften.
Rap ist mehr als Entertainment – es ist Edutainment. Der Gangster-Rapper mit Straßen-Background kann mir was über sein Leben erzählen, egal ob dreckig oder krass – solange er reflektiert ist, ist er interessant und spannend für mich. Wenn allerdings die Geschichten sich immer wiederholen, dann verkommt der „authentische“ Street-Rap zu einem musikalischen Arzt-Roman mit GZSZ-Dramartugie und wird langweilig. Das Glorifizieren von ghettoesken, miserablen Lebensumständen ist doch ein Schlag ins Gesicht jeden echten Sozialfalls. Aus dem „schlimmste Ghetto“ zu kommen als Attribut für die Qualität des eigenen Raps zu stilisieren, ist furchtbar peinlich.

Schwulenfeindliche, frauenfeindliche oder gewaltverherrlichende Phrasen zeugen nur von davon, dass entweder die Entwicklung des jeweiligen Menschen nicht besonders weit ist oder jemand genau diese Dinge sagt, um zu gefallen. Natürlich bin ich für Meinungsfreiheit, aber auch für Verantwortung.
„Beef“ ist Schulhof-Promotion. Es wird mehr darüber geredet, wie sich die Rapper beleidigen und warum – es wird spekuliert, was echt und was wahr ist.
Ich kann mir jetzt 15 bis 30 minütige Hasstiraden anhören (Pluspunkt dabei ist, dass es die durchschnittliche Durch-Lesezeit einer Bildzeitung um mindestens das 10fache übersteigt), in Szene gesetzt bei YouTube – mit viel Drama. Wo ist die Message? Worum geht es eigentlich? Okay, nicht alles muss immer einen Sinn ergeben, aber nicht alles muss immer keinen ergeben.


Ich mag Einblicke in ein Leben, das ich nicht lebe, aber ich mag auch Bewegung. HipHop war und ist ein Weg in andere – vielleicht bessere Umstände. Er gibt einem eine Stimme, er zeigt einem seine Grenzen aber auch Perspektiven – er schenkt einem Selbstbewusstsein und lässt einen wachsen. Wenn man es zulässt.


Montag, 7. März 2011

"Good morning Vietnam"

Aus gegebenem Anlass, hier etwas früher als gewohnt, da die Print-Ausgabe des Stadtkind erst seit ca. einer Woche erhältlich ist. Man möge es mir nachsehen, aber diese Leinehertz-Sache...tstststs....aber genug der Vorworte, LOS GEHT'S.......

Es war einmal...
Früher habe ich mit meinem Radio-Kassettenrekorder samstags immer die Charts gehört und die schönsten Lieder aufgenommen. Das ist lange her. Kassetten sind die Quastenflosser der Audiotechnik – irgendwo gibt es noch welche, aber so richtig was anfangen kann keiner was damit. Diese Technik hat sich überlebt und eignet sich nur noch, um sich an „die guten, alten Zeiten“ zu erinnern. An die Vergänglichkeit und an die Zeit, in der man sich nicht alles sofort beschaffen konnte – ich nenne sie mal „die Zeit der Nicht-Sofortigkeit“.
Dann kam die Pubertät – Sturm und Drang, vor allem aber der Wunsch nach Individualität und Selbstbestimmung. Ich wollte entscheiden, was ich esse, tue und höre. Irgendwie war mir die Konformität nicht grade in die Wiege gelegt worden – trugen alle Pullunder, trug ich eine Motorradlederjacke, und jemand mit Lederjacke und Adidas Allround hört keine Charts! Denn was sind die Charts? Die Charts sind ein Spiegel des Massengeschmacks, etwas, worauf sich viele Menschen geeinigt haben, ohne Ecken und Kanten, oftmals auch ohne Leben – etwas, dass viele Menschen konsumieren. Als ich anfing, Rap-Musik zu hören, da gab es das nicht im Radio – bis auf einige wenige Ausnahmen.
In meiner Erinnerung dominierten in den 80er-Jahren die 80er-Jahre-Sounds und in den 90ern auch und jetzt irgendwie immer noch. Um es auf den Punkt zu bringen, das Radioprogramm ist seit 30 Jahren Chris de Burgh, Cindy Lauper und Duran Duran. Visionär kann man das nicht grade nennen. Ein „Radio-aktiver“ Murmeltiertag – nur ohne Bill Murray und ohne Murmeltier. Same same – but different!?
Ich musste also zwangsläufig gegen das Radio sein, denn das Radio war in meinen Augen faschistoid, es war ignorant. Wo waren Paris, Big Daddy Kane oder N.W.A.? Wo waren meine Helden? Man spielte meine Musik nicht mal in homöopathischen Dosen, man verweigerte sich. Ich wünschte mir, damals, es gäbe den „Piratensender Powerplay“ wirklich – Thomas Gottschalk und Mike Krüger 1981. Sie spielten, was kein anderer spielte.
Zurück in die Gegenwart...
Vielleicht liegt meine Aversion gegen das Radio darin, dass ich ein ähnliches „Problem“ wie Public Enemy hatte: „...Radio Suckas never play me!“ Das rappten sie und trafen damit den Nagel auf den Kopf. Warum sollte ich Radio hören, wenn nichts gespielt wurde, was ich hören wollte. Warum gab mir das Radio nichts zu entdecken? Früher gab es Redakteure – meiner Meinung nach bestand eine ihrer Aufgaben darin zu „diggen“ – also zu graben wie ein Goldgräber und Nuggets zu finden. Mittlerweile sind diese Leute Recycler geworden, oder besser: Bewahrer. Bewahrer von ihren quotenabhängigen Jobs mit Wohlstandsbauch und ohne Hunger. Mutlos, langweilig und überflüssig.
Bürgerfunk hatte für mich immer etwas von Audio-B-Movie. Da machen Leute in ihrer Freizeit eine Sendung und spielen ihre Lieblingsmusik – von Bibelpop bis Bauchtanzmusik. Amateur-Amateure, überambitioniert und dabei völlig talentfrei. So dachte ich. Bis ich eines Tages Kontakt mit so einem Bürgerfunk hatte. Freunde hatten eine eigene Sendung bei Radio Flora – man spielte Rap-Musik, und man konnte anrufen und live im Radio rappen. DAS war Subkultur ohne Anspruch auf Massenakzeptanz: „for us – by us“. Unprofessionell, aber dafür voll auf die Fresse. Diese Sendung änderte meine Meinung zu diesem Thema grundlegend. Irgendwann wurde aus „Raider“ „Twix“ und aus Radio Flora Leinehertz.
Bis vor ein paar Wochen konnte ich uneingeschränkt Leinehertz hören und mich freuen. Mal Hamburger Schule, mal lokale Bands wie Tanner oder Sustar – ich hörte das sympathisch gebrochene Deutsch eines Russen, kongolesische Heimatmusik, auch tolle unbekannte orientalische Klänge. DAS nenne ich diggen. Gut, einige sind Amateure – so wie auch ich einer wäre, wenn ich beim Lokalradio eine Sendung machen würde –, aber sie sind Idealisten. Ich glaube, das unterscheidet so einen Sender von den kommerziellen Anstalten.
Doch dann geschah etwas, eine Art 11.September des Bürgerfunks, ein musikalisch terroristischer Anschlag – Leinehertz verwandelte sich. Es war fast wie bei „Face off“ mit Cage und Travolta, die ihre Gesichter tauschen, nur das in unserem Fall Radio Leinehertz nicht getauscht hat, sondern sein Gesicht verlor. Alles, was diesen Sender ausgemacht hatte, verschwand scheinbar über Nacht. Das einzige, was uns blieb, sind die Station IDs, die uns im Sekundentakt daran erinnern, welchen Sender wir grade hören. Die Frage ist doch, warum muss man uns so oft daran erinnern? Vielleicht liegt die Antwort in der Austauschbarkeit des Programms. Es fehlt die geliebte Individualität. Leinehertz hören heißt in diesen Tagen, eine nordkoreanische Militärparade hören – Gleichschaltung und Konformität. Und ihr wisst, was ich von Konformität halte! Fight for your right!

P.S.: Ich hatte noch diesen tollen Satz, der leider nicht in die Kolumne passte: „Video killed the radio star“ – Quote killed mutige Redaktion, und Internet killed it all!  

Dienstag, 22. Februar 2011

Gekko

Ich hab mich letztens mal in meinem Freundeskreis umgehört, und die eindeutige Meinung lautet: Geiz ist NICHT geil, aber Geld zu haben finden alle im Allgemeinen ganz gut. Ein Großteil der Leute meinte aber auch, dass die Ausgaben zu oft überproportional zu den Einnahmen stehen; das wiederum findet die Bank nicht gut - STOP! Das stimmt ja so nicht – die Bank verdient ja an unseren Schuldenm, und das ist ja das Paradoxe an unserem System. Verschwörungstheoretiker würden behaupten, dass die Kreditkarte deshalb erfunden wurde, weil man damit besser den Überblick verliert. Die Kreditkarte wird ja nicht weniger – also die Karte an sich, und man behält sie. Das Blöde ist, dass man nicht nur die Karte behält – die Schulden behält man ja auch.
Der Weltwirtschaft gefällt es, wenn wir viel Geld ausgeben. Deshalb sagt man auch „Geiz ist geil“ und nicht „Sparen ist geil“ oder „Geld in die Matratze ist geil“. Darauf baut im Endeffekt alles auf. Irgendwer produziert, ein anderer kauft. Wenn also nicht gekauft wird, dann muss auch keiner produzieren. Wenn keiner produziert, dann stehen die Maschinen still, und man geht spazieren oder guckt „die Auswanderer“. Man ist arbeitslos. Das nennt man dann Weltwirtschaftskrise. Arbeitslosigkeit finden auch alle nicht gut, und deshalb gibt der Staat einigen Leuten Geld oder gerne auch Jobs und Maßnahmen, für die sie dann Geld bekommen, das sie dann wiederum ausgeben für Sachen aus dem Teleshop aus China, womit dann die Chinesen ihre Staatsrücklagen von 2,5 Billionen noch erhöhen und mehr Chinesen Arbeit haben, und wo das alles hinführt, weiß ich auch nicht.
Ich habe letztens gelesen, dass der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler bezweifelt, dass die deutschen Goldreserven, die in den Vereinigten Staaten lagern, physisch wirklich existieren. Ich meine, wir reden nicht davon, dass Deutschland seine Milliarden an Staatsvermögen auf einer Volksbankchipkarte gespeichert hat und die dann irgendwo einschließen lässt, sondern von tonnenweise Goldbarren. Selbst bei den Goldpreisen passt das nicht in Omas Sparstrumpf. Mal unter uns, tausend Tonnen Gold sind nicht grade die Nadel im Heuhaufen, oder!? Goldleaks? War vielleicht „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ eine Dokumentation und keine Fiktion? Sind „unsere“ Goldbarren mit Kippladern aus den Kellern der Federal Reserve Bank gestohlen worden, und Bruce Willis schwitzte – was „unseren“ Guido sehr erregte – sein Unterhemd für sein Geburtsland voll?
Unterm Strich könnte es mir egal sein, aber ich möchte keine Inflation wie 1929. Da war das Geld so wenig wert, da musste man mit einem Siebeneinhalbtonner zum Kiosk fahren, um sich eine Schachtel Kippen zu kaufen. Für weniger muskulöse Menschen war ein Einkauf relativ unmöglich. Die Kapitulation vor dem Kapital – ein schreckliches Kapitel voller kapitaler Fehler unserer Kapitäne. Ich weiß, der Satz ist nicht besonders aussagekräftig, aber ich finde ihn trotzdem gelungen.
Ich selbst finde es immer schrecklich, kein Geld zu haben. Selbst wenn ich eine Kreditkarte dabei habe fühle ich mich nackt. Ich bin von der alten Schule und trage lieber einen Beutel Sesterzen durch die Gegend, als der Kombination Magnetstreifen-Internet/-Telefonleitung zu vertrauen. Digitales Zeitalter hin oder her, meine Maxime sind die zwei M – echte Menschen, echte Münzen. Deshalb tue ich mich auch so schwer, Geld anzulegen. Sagen wir mal so, könnte ich mein Geld auf einem Feld vergraben, und ich müsste es hegen und pflegen, müsste die Heuschreckenschwärme vertreiben und gegen die Pleitegeier Vogelscheuchen aufstellen, könnte ich ihm beim Wachsen zusehen, dann wäre es mir lieber, als es in einem Fonds anzulegen, der neben Firmen für Futtermittel vielleicht sogar Waffenhersteller beinhaltet. Viele klammern sie vielleicht aus, aber Moral ist für mich eine wichtige Sache, auch beim Geldverdienen.
Da fällt mir ein, dass ich im Radio hörte, dass ein Kirchlicher Fonds gerügt wurde, er würde für seine Kunden Renditen unter anderem aus Waffengeschäften und Alkohol gewinnen. Wertpapiere von Firmen, die in eher unchristlichen Segmenten tätig sind, seien Teil ihrer Fonds. Den kirchlichen Fonds wurde deshalb nahegelegt aus Gründen der Ethik von derlei Investitionen Abstand zu nehmen, da sie aus Sicht der Kirche nicht vertretbar seien. Die Antwort des Fondsverwalters zu diesem Thema war – aufs Wesentliche heruntergebrochen –, es gebe keinerlei Diskrepanz zu christlichen Werten. So viel zum Thema Nächstenliebe, Moral und Profit.
Aus den Aufklebern, die in den Achtzigern populär waren, haben wir nichts gelernt. Ich glaube sogar, der Herr Gordon Gekko würde die Cree-Weißsagung umformulieren in:
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld essen kann.‘‘ Schmeckt nur scheiße – aber egal!
Ich für meinen Teil befeuere die Wirtschaft, investiere in Sneakers und DVD-Boxen, und wenn allen anderen irgendwann der finanzielle Himmel auf den Kopf fällt, dann sehe ich verdammt gut beschuht aus in meiner eigenen Videothek, in der ich dann Filme im Tausch für Lebensmittel anbiete.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Singapur pur - ein Reisebericht

Reisen bildet. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Orang-Utan „Mann des Waldes“ heißt. Nicht dass mich das in meinem Leben weiterbringt, außer ich werde mal zu Jauch eingeladen, aber ich mag so ein Jeopardy-Wissen. Ich habe auch erfahren, dass Singapur eine durchschnittliche Temperatur von circa 31 Grad hat und dieser Stadtstaat zu 120 Prozent aus Shopping Malls besteht. Mich würde nicht wundern, wenn sie Singapur bald komplett überdachen. Die gefühlte Luftfeuchigkeit ist so türkisches Dampfbad mit einem bisschen Waschstraßenatmosphäre.
Was man von Singapur gehört hat ist, dass man für so ziemlich alles, was man tun kann, bestraft wird – drakonische Strafen wohlgemerkt. Da gab es diesen Schweizer Grafittimaler, der für den Einbruch in einen Yard ins Gefängnis musste und zudem noch ein paar Stockhiebe auf den Arsch bekam. Man mag wohl kein illegales Grafitti in Singapur.
Changi, der Flughafen Singapurs, ist schön. Sehr aufgeräumt. Es gibt sogar einen Nike-Store, was uns gleich richtig auf unseren Aufenthalt eingestimmt hat.
Die Fahrt vom Flughafen weg war wenig spektakulär. Man fährt hier links, hat aber das Lenkrad rechts. Verkehrsregeln sind dadurch echt spannend – eine spiegelverkehrte Folge Quiz-Taxi. Und man gibt übrigens kein Trinkgeld, irgendwie ungewohnt. Es gibt auch verschiedene Taxen und Taxi-Tarife und Zeiten, zu denen sich die Tarife ändern; je nachdem wo man sich befindet. Ich glaube, man kann hier eine Ausbildung zum Fahrgast machen. Busse sind keine Alternative – die Fahrpläne sind Rocket Science.
Singapur ist das Land mit den zwei Klimazonen, drinnen und draußen. Wie eingangs erwähnt sind es draußen 28 bis 31 Grad, während man drinnen nicht so kleinlich um zwei, sondern eher um mindestens zehn Grad runterkühlt. Die Konsequenz ist, dass wenn man leicht angeschwitzt von draußen eine klimatisierte Mall betritt, man kurz mal schockgefrostet wird. Ökologisch fragwürdig ist auch, dass zum Teil einfach draußen klimatisiert wird.
Geld schwingt hier das Zepter – Geld ist das dünnflüssige Blut der vierspurigen Venen dieser Handelstadt. Irgendwie kann man in Singapur nichts anderes machen als Geld auszugeben. Jeder kennt das alte Indianerzitat: „Erst wenn der letzte Baum gerodet usw., dann werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann!“ Die Singapuris schreiben wahrscheinlich mit einem Lackstift „Aber man kann sich davon was zu essen kaufen!“ drunter. Rückblickend betrachtet haben auch wir das gemacht – also Geld ausgegeben. Mall-hopping, entweder mit dem Taxi vor die Tür oder unter der Stadt durch verschiedene Verbindungstunnel von einer in die nächste. Kommerzieller Overload! Interessant ist allerdings, dass überall das Gleiche feilgeboten wird –und ich würde das „überall“ gerne noch unterstreichen. Gut, wir waren auf der Suche nach Sneakers, und da gab es ein paar spezielle Geschäfte, aber im Gros unterschied sich die Auswahl nicht sonderlich. In einer Mall, der Queensway-Mall, reihte sich Sneaker Store an Sneaker Store, lustigerweise gingen allerdings ALLE in dasselbe Lager. Verschiedene Geschäfte – ein Besitzer. So viel zum Thema „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Schach mit sich selber spielen ist spannender. Unbefriedigend.
Neben den Singapuris bevölkern unfassbar viele Expats das Mini-Land. Das sind Menschen, die in SG arbeiten und die eine Art Parallelgesellschaft bilden.Sie leben in Kondos, fahren Prestigetaxen oder haben Fahrer und halten sich zu 99,9 Prozent in klimatisierten Räumen auf. Ich sage das übrigens völlig wertfrei. Wir selbst hatten das Glück, bei Freunden, die als Expats dort sind, für eine Nacht unterzukommen. Abgesehen davon, dass es uns Geld gespart hat, weil wir kein teures Hotel bezahlen mussten, war es einfach super, jemanden zu haben, der uns willkommen hieß und mit den Geflogenheiten vertraut machte – mal abgesehen davon, dass wir uns ewig nicht gesehen hatten. Kondos sind übrigens Wohnanlagen für Besserverdienende. So mit Pool, BBQ-Pit und so.
Essen ist ein Traum in Singapur. Hier gibt es alles – von Sushi über Brotzeit (bayerisch) bis vietnamesisch. Abseits von den Touristenrestaurants isst man besser und billiger in sogenannten Food Courts. Das sind überdachte, schulhofähnliche Plätze, auf denen feste Tisch-/Hocker-Kombinationen installiert sind, die von verschiedenen obskuren Garküchen umzingelt werden. Das ganze wirkt wenig vertrauenserweckend, aber man ist ja kein Feigling. Abgesehen von Geschmack und Sättigungswert ist es auch preislich eher Aldi, also bezahlbare Qualität. Neues Lieblingsgetränk ist Avocadosaft, neues Lieblingsessen Aal in Terriakisoße. Chinesisches Essen ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Zu viel Glibber und Schleim. „I don't hate – but me don't like!“ Zu empfehlen sind noch die frischen Kokosnussdrinks, die einem auf der Straße angeboten werden.
Wenn man keine Lust mehr auf Beton-und Konsumdschungel hat, kann man versuchen, im Kapitalismusdickicht den anderen Teil Singapurs zu entdecken. Angefangen bei Stadtvierteln wie Little India oder China Town, bis hin zum Fort Canning Parc. In Letzterem waren wir übrigens zu später Stunde und wurden dort von Bullfrogs überrascht, die unfassbar laut – kuhgleich – in die Nacht quakten. Mehr innerstädtische, heimische Fauna findet man eigentlich nicht. Weil wir aber so Löwenzahn-/Sendung-mit-der-Maus-Kinder sind, mussten wir unbedingt raus zum Zoo. Für alle, die ein grundsätzliches Zooproblem haben, ist es natürlich nichts, aber für alle anderen ist er wirklich toll. Alles ist grün, tropisch und idyllisch. Der Zoo liegt auf einer Art Halbinsel, was den Planern die Möglichkeit gab, Bootstouren rund um das Gelände anzubieten. Dagegen ist die muckelige Fahrt im Hannover-Zoo leider eine Fahrt auf einem Feldweg mit einem Trabant. Die Nasenaffen waren beeindruckend, genau wie die weißen Tiger – die übrigens filmreif für uns im Wasser lagen – und die Orang-Utans. Die Anakonda war mächtig lang und dick, während die giftgrüne Königskobra keine Anstalten machte, ihren Hals zu blähen. Wahrscheinlich hatten schon zu viele dicke, dumme Kinder an ihre Scheibe geklopft, als dass sie sich davon noch provozieren ließ. Diese Kobra hat aufgegeben. Leider! Still wünschte ich mir kurz, als wieder ein Kind diabolisch gegen die Scheibe hämmerte, die Kobra würde ...
In einem Freigehege waren wir umgeben von riesigen Schmetterlingen, von Mini-Rehen, Lemuren und Flughunden. Alles um uns herum auf Tuchfühlung. Leider waren wir zu groggy für den Nachtzoo oder den Orchideengarten.
Zum Strand haben wir es nicht geschafft. Nur einer unserer Jungs ist am Sonntag noch mal dorthin und erzählte uns, es wäre wie eine MTV-Beach-Party abgelaufen. Unser Expat-Freund aus Deutschland sagte uns, dass ein Strandtag am Sentosa Beach wie ein Picknick an der Autobahn sei. Singapur hat einen riesigen Hafen, und mächtig viele Schiffe fahren tagein, tagaus da rein, da raus. Der Sand – so wurde mir gesagt – ist aus Australien importiert. Seltsame Vorstellung, dass Sand von einem Kontinent auf den anderen gebracht wird, aber offensichtlich besteht Bedarf. Wer bin ich, dass ich unser Weltwirtschaftssystem infrage stellen könnte?
Auffallend war, dass viele Singapuris KEINE asiatischen Namen mehr haben. Der Concierge in unserem Hotel hieß Dennis, die Bedienung beim Japaner Erica, und unser Produktionsleiter hieß Felix – alle allerdings mit asiatischem Aussehen. Singapuris sagen übrigens statt ja „can“ und statt nein „can not“. Warum? Ich habe keine Ahnung, aber wer bin ich, kulturelle Geflogenheiten infrage zu stellen. Was zählt ist, es läuft alles.
Wir sind mittlerweile wieder da, Hände noch dran, keine Streifen auf dem Arsch und auch sonst alles gut. Deutschland versank derweil im Schneechaos. Meine in Singapur mühsam gekauften Sneakers sind wohl noch auf dem Weg nach Hamburg und werden mir wahrscheinlich hoffentlich die nächsten Tage nach Hannover geliefert. Wir selbst fuhren mal wieder Bahn und erreichten unsere Heimatstädte mindestens vier Stunden später als geplant. Im Flieger hatten wir aus uns unbekannten Gründen die wohl beschissensten Plätze der Welt bekommen, und mein Hintern, mein Rücken sowie mein Nacken fühlten sich an, als hätte uns die Russenmafia mit Nothämmern bearbeitet. Aber wer bin ich schon, darüber zu jammern, wo doch alle unter der Situation zu leiden hatten.
Und auch wenn Christian Kracht über Singapur in seinem Buch „Der gelbe Bleistift“ sinngemäß schrieb, es wäre vergleichbar mit einem Dreitagesaufenthalt in einem Shoppingcenter in Göttingen, dann hat er im Nachhinein irgendwie recht. Aber irgendwie möchte ich noch mal nach Singapur, jetzt, wo ich weiß, wo es die besten Sneakers gibt, denn dann hätte ich die Chance, mich richtig auf Singapur einzulassen. Und ich bin mir sicher, es gibt genügend Dinge, die es zu entdecken gibt. Denn wer bin ich, zu behaupten, ich hätte schon alles gesehen.

Freitag, 14. Januar 2011

Vorsätzliche Vorsätze

Gute Vorsätze sind gut, deshalb heißen sie ja auch GUTE Vorsätze. Ich glaube, schlechte Vorsätze gibt es in diesem Zusammenhang nicht, aber vielleicht kann mich jemand eines Besseren belehren. Zumindest ist mir da nichts bekannt. Punkt! Interessanterweise gibt es diese Tradition der guten Vorsätze seit Ewigkeiten um den Jahreswechsel herum. Ich hab' mich immer gefragt, warum sich erst die letzten Zahlen eines Datums ändern müssen, bevor Leute sich vornehmen, aufzuhören scheiße zu sein.
Unter Vorsatz versteht man in der Psychologie eine Absicht, in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Verhalten auszuführen. Die meisten Leuten, die ich kenne – mich inbegriffen –, verstehen unter Vorsatz ein „Kannmanmalmachenvielleichtwennspasst“. Es ist eine Art grobes Ziel mit anvisiertem Anfangspunkt, allerdings ohne große Hoffnung, dass man es wirklich macht. Es ist so eine Art Vorsatz zum Vorsatz. Bei dieser Art des Selbstbetruges ist das Timing von entscheidender Bedeutung. Man sucht sich einen Tag für den Beginn, einen besonderen Tag, zum Beispiel Montag oder den Neujahrstag – also einen Zeitpunkt, der in sich schon für einen Neuanfang steht. Und wenn man das dann verbockt, muss man entweder eine Woche oder ein ganzes Jahr warten, um wieder einzusteigen.
Ganz oben in diesen Murmeltiertagslisten – so glaube ich – stehen bei vielen, mit dem Rauchen aufzuhören und weniger Alkohol zu trinken – also Dinge, die einem ein schlechtes Gewissen machen, weil man weiß, dass sie nicht gut für einen sind, die man aber trotzdem macht, weil man auch mal Fünfe grade sein lassen muss. Der Mensch – der Trottel.
Jedes Jahr, wenn man beim Bleigießen seinen silbrigen Klumpen mal wieder als tumorisiertes Gehirn oder metastasische Leber gedeutet hat, fängt man an, seine neuen alten Ziele zu formulieren. Reumütig blickt man in den von Silvesterraketen erleuchteten Nachthimmel und murmelt gebetsmühlenartig seine Vorsätze ins Weltall. Man schreibt sich mit krakeliger Handschrift einen kleinen Zettel oder – wenn man total modern ist – postet es direkt bei Facebook. Facebook ist in diesem Zusammenhang ganz praktisch, denn sollte die Mutter aller Social-Network-Plattformen auch nächstes Jahr noch angesagt sein, kann man seinen Vorsatzzettel ja direkt copypasten.
Ich habe mal verschiedene Zettel mit Vorsätzen angefangen – mal so meine eigenen, und dann hab ich mir noch vorgestellt, was andere wohl darauf stehen haben.

Spax: Diese Kolumne nicht immer auf den letzten Drücker schreiben – mehr vegetarisch essen – weniger Sneakers kaufen – mehr Sneakers kaufen – weniger Cola trinken – mehr Wasser trinken – öfter zu Mama und Papa – besseres Zeitmanagement – Herr der Ringe 1–3, Rocky 1–6 und Star Wars 1–6 noch mal gucken – öfter in den Zoo – mehr Fahrrad fahren – das Mobiltelefon weniger oft in der Nähe der Geschlechtsteile tragen – mehr Sushi – weniger Thunfisch – diplomatischer sein – öfter Business as usual – weniger Facebook – mehr echtes soziales Netzwerk mit Anfassen und so – öfter Arte+7 – mehr Briefe schreiben – weniger Geburtstage vergessen – mehr lLeben – einen Affen streicheln – weniger X-Box spielen – mehr GP sammeln – öfter Software-Updates machen – öfter Time-Machine-Backup machen – noch mehr lachen – Stromberg gucken – mehr Urlaub – unbedingt Keller aufräumen – Comics sortieren – öfter die Wollmäuse aufsammeln – öfter das Parkett saugen – mehr lesen – auch mal selber kochen – weniger ärgern – ein noch besseres Vorbild für alle Menschen sein – mehr Serien gucken – weniger Fernsehen – mal wieder „Wetten, dass ...“ gucken, NOT! – die Bahn öfter bescheißen – mehr um die Haare kümmern – mehr Rap hören – jeden Tag eine gute Tat tun – mehr Zeit für die Familie – Schuhe putzen – öfter durch die Eilenriede joggen – endlich mein Album fertigmachen – mehr live spielen – auf Tour gehen ... usw.
Deutsche Bahn: Sich nicht immer von den Jahreszeiten überraschen lassen – nicht nur über Service reden, sondern auch welchen haben – nicht so viele Strecken vom Netz nehmen – hübschere ZugbegleiterInnen – kostenloses W-Lan im Zug usw.
US-Diplomaten: Sich mehr Zeit für die Depeschen nehmen – diplomatischer ausdrücken – auch mal jemandem ins Gesicht sagen, dass man ihn scheiße findet.
Westerwelle: Nicht immer vergessen, die Flugmeilen aufschreiben zu lassen.
E-Plus: Kundenfreundlichkeit, Tarife, Service – sich bei Herrn Szulc entschuldigen.

… so, das war's erstmal. Ich muss jetzt gleich zum Flughafen und meine Maschine nach Deutschland kriegen. Bis zum nächsten Jahr und bis dahin alles Gute, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2011 rein.

Freitag, 17. Dezember 2010

Wohlfühlen, Wendand, Weihnachtsbäckerei

Ich verfluche den Tag, an dem mein Körper beschloss, jegliche Fettverbrennung einzustellen und es stattdessen in meiner Körpermitte abzulagern. Ich nenne diesen heiklen Bereich nicht ohne Ironie „mein Wendland“. Er ist nur eine Zwischenlösung – KEIN Endlager. Jeder, der mich kennt, weiß, das ist hier jammern auf hohem Niveau, denn man kann nicht grade behaupten, ich sei übergewichtig oder Blobb-artig, nur früher lag mein Körperfettanteil bei minus 25 Prozent. Ich sah aus wie ein mit Butterbrotpapier überzogenes Holzgerüst, deshalb hat ein Freund von mir auch gerne behauptet, man könne mich mit einem Teelicht röntgen.
Die Wende kam, als ich ohne Eintritt zu zahlen auf Ü30-Partys gehen konnte. Mein Körper fing an, seine Jugendlichkeit über Bord zu werfen und erwachsen zu werden – er wollte sogar Karriere machen und fing an zu expandieren. Früher hatte ich Tischtennis gespielt, Badminton-Federbälle geschmettert und Bruce Lee kopiert, jetzt schleppe ich meinen Hautsack pfeifend in den dritten Stock. Sieht man das V als Optimum für eine Form des Oberkörpers, dann bin ich jetzt bei der Form des Weihnachtsbaums angekommen – vielleicht noch nicht physisch, aber psychisch bestimmt. Ich habe schlicht und einfach vergessen, Sport zu machen.
Ich bin Mitglied in einem Fitness-Studio und zahlte die vergangenen zwölf Monate meinen Mitgliedsbeitrag, ohne überhaupt hinzugehen. Schlau, nicht wahr!? Im Gegensatz zu den Zehntausenden Muckibudenmitgliedern, denen es genauso geht, bekämpfe ich den inneren Schweinehund mit einer mentalen 44er Magnum, aber das Biest ist zäh. Ein Großteil meines Trainings besteht daraus, zusammen mit meiner Frau Fitness-Funktionskleidung bei Tchibo auszusuchen, und der andere Teil besteht aus Überwindung und Selbstmotivation. Auf mein Gewicht und mein Körpergefühl hat es bisher leider keine Auswirkung.
Ich stehe zu Hause, packe mein Zeug – ich würde lieber auf der Couch liegen – ich versuche, das Gefühl zu visualisieren, das ich nach dem Sport habe. Ich überwinde mich. Ich betrete das Studio, man begrüßt mich mit Handschlag – erkundigt sich nach den letzten Monaten und wir diskutieren in Sekundenbruchteilen die Lage der Nation. Ich ziehe mich um, fühle mich sportlich und steige auf das Laufband, fühle mich fit, großartig und denke, dass ich doch eigentlich noch ganz gut in Schuss bin. Leider hält dieses Glücksgefühl kürzer an als der längste Orgasmus, den ich je hatte, dann schlägt die Realität einen abscheulichen Haken auf meine Leber und raubt mir die Luft zum Atmen. Life is a bitch! Die Zeit auf so einem Laufband hat die Angewohnheit, sich Zeit zu lassen. Die zehn Minuten Aufwärmphase ziehen sich wie eine Folge Großstadtrevier. Richtig demütigend wird es, wenn man dann zum ersten Mal wieder an die Gewichte geht. So muss sich Superman auf Kryptonit fühlen. Wenn die Muskeln Trauer tragen ... mein Körper weint, jede einzelne Faser brennt wie ein Hochofen. Hätte ich Schwarzeneggers 1980er Muskeln, würde ich mich wie ein Ganzgott fühlen. Momentan kriege ich allerdings beim Duschen die Arme zum Haare waschen nicht mehr über den Kopf. Ich bin nicht Generation X, ich bin Degeneration JETZT.
Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Draußen ist es dunkel und kalt, die Menschen schmiegen sich an die Heizung und es wird wieder gebacken. Neue Castoren für mein Wendland. Ich habe das Gefühl, mein Leben besteht aus Ausnahmen. Dieses typische „Ach komm, nur heute!“ oder „Das hab' ich mir verdient!“ und so weiter. Alles, was man sich selbst eben so sagt, um seine Undiszipliniertheit vor sich selbst zu rechtfertigen. Unsere Leben sind auf Selbstbetrug gebaut, und genau wie Venedig laufen wir Gefahr, mit der nächsten Flut verschluckt zu werden.
Es bleiben ja noch die guten Vorsätze für das nächste Jahr, aber bis dahin heißt es Zähne zusammenbeißen und nicht den Christstollen dazwischen kommen lassen. Vielleicht auch mal keine Cola zum Frühstück und Finger weg vom Frittenfett. Sport ist kein Angstgegner, und man muss auch nicht unbedingt einen Fitness-Tempel besuchen, um seinem Körper ein wenig Bewegung anzutun. Ich bin mir sicher, er wird es uns danken, denn nicht jeder von uns ist resistent gegen Umweltgifte wie Helmut Schmidt.
Ich verbleibe mit den Worten Xavier Naidoos: „Dieser Weg wird kein leichter sein!“. Sollte es dennoch alles schiefgehen, trete ich persönlich dafür ein, ein neues Schönheitsideal zu etablieren. Germanys next Top-Moppel.
Ich fahr jetzt mal ins Level-Up. Ach ja, ich wüsste gerne eure guten Vorsätze für 2011 – schickt mir doch mal eine Mail an spax@spax-hiphop.de. Ich freu mich.

Dienstag, 16. November 2010

Professor Simon Wright

Das Gehirn ist ein wahres Wunderwerk – also, bei den meisten Leuten, die ich kenne zumindest. Allerdings kenne ich so einige Kandidaten, bei denen ist das Gehirn eher eine ABM-Maßnahme für fleißige Trümmerfrauen. Ich kenne Leute, bei denen sollte mal eine auf das Hirn spezialisierte Tine Wittler vorbeischauen, um das Broca-Areal neu zu dekorieren, ein bisschen die Zellen rücken, ein, zwei Synapsen neu verdrahten, vielleicht mal die Scheitellappen neu kämmen und gerne mal Wernickes Bereich durchfegen. Was nämlich so mancher Mensch aus der Cerebral-Cortex-Hüfte schießt, lässt vermuten, er sei der direkte Nachfahre eines präkambrischen Nadelholzes.
Das Gehirn macht uns aus, also eigentlich könnte man uns fast auf das Hirn reduzieren. Gut, so eine Hirnmasse hat keinen geilen Arsch oder tolle Titten (oder statt Arsch Popo) – ist also nicht gerade der Hingucker, und selbst mit Krawatte wirken so zwei Pfund Hirnmasse unappetitlich. Zudem ist es ja so: Vieles, was das Gehirn kann, wären einfach überflüssige Features. Wozu ein Sprachzentrum, wenn man keinen Mund hat, oder wozu eine Hypophyse ohne endokrines System. Das Gehirn ist eine Schaltzentrale, relativ spartanisch eingerichtet, aber dennoch hocheffizient. Es funktioniert 24 Stunden, 363 Tage des Jahres (ausgenommen Silvester und Oktoberfest) – und das durchschnittlich 75 Jahre lang. Das Gehirn ist in Sachen Leistung, Wartung und Tuning der Mercedes Benz unter den Evolutionserfindungen. Wir können also stolz sein, auf unser – ich sag jetzt mal – Lieblingsorgan.
Uns Menschen hat Gott ja – im Normalfall – reichlich beschenkt mit Windungen und grauen Zellen, wobei ich mich des Öfteren frage, ob uns das eigentlich so viel bringt. Wir sehen uns gerne als die Krone der Schöpfung, sind stolz auf unsere Errungenschaften und werden nicht müde, es immer und immer wieder in die Welt zu posaunen – wie ich es ja anfangs bereits getan habe. Doch egal wie sehr wir es uns auch einreden, es abfeiern und demnächst vielleicht sogar einen Feiertag für unser grandioses Gehirn einrichten, unsere Handlungen sind nicht immer von Intelligenz und Logik geprägt. Beispiel Rauchen: Ein Tier würde instinktiv die Zigarette fallen lassen, weil sein Körper ihm durch Würgen und Husten signalisiert – DAS IST NICHT GUT DICH! Der so hoch entwickelte Mensch schafft es dann, per Macht seiner Gedanken alle Firewalls (witzig, ’ne – also wegen Feuer und so …) seines Körpers zu umgehen und denkt sich: noch drei bis vier Züge, dann schmeckt es, wohl wissend, dass Rauchen NICHT gut für ihn ist. Anderes Beispiel: Es gibt Menschen, die hören auf Seehofer oder Sarrazin, obwohl sie wissen, dass so mancher Bereich derer Gehirne offensichtlich an die Inneneinrichtung des Führerbunkers erinnert.
Also, was ist so toll an unserem überlegenen Gehirn? Es macht durchschnittlich zwei Prozent der Körpermasse aus. Es verarbeitet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Millionen Bits Informationen – oder um in unserer Sprache zu sprechen: es downloaded mit mehrfacher DSL-Geschwindigkeit Informationen und Eindrücke, die wir durch unsere Sinne googlen. Im Gehirn selbst werden dann diese Daten in unser hirneigenes Brainbook geladen (Freunde kommen, Freunde gehen) oder laufen Schleife in unserem BrainTube.
Die Faszination Gehirn – unser tragbares Weltall, unsere portable Tiefsee, unser Wireless-MacBrain – ist, wie man sieht, nicht unbegründet. In den RICHTIGEN Köpfen kann das schon richtig viel. Unterm Strich ist es ein wunderbares Werkzeug, um fantastische Ideen zu entwickeln und unsere Gesellschaft zu bereichern. Was der Einzelne daraus macht, ist eine andere Sache. Bildung und Ausbildung sind die wesentlichen Wege, unser Gehirn zu trainieren und fit zu machen. Damit wir irgendwann nach der Pubertät mehr hinkriegen als Sangria-Tetrapaks aufzuschrauben und einhändig Joints zu drehen. Das Gehirn braucht Input – Futter, aber auch genügend Zeit zum Verarbeiten. Dauerfernsehen ersetzt kein Buch und SMS schreiben kein persönliches Telefonat. Wer sich weiterentwickeln will, sollte nicht wie ein menschlicher Quastenflosser auf der Couch vor sich hinevolutionieren, sondern das Schicksal in seine eigenen Rezeptoren nehmen.  

Freitag, 29. Oktober 2010

Hulk

An manchen Tagen wünsche ich mir, ich hätte eine Überdosis Gammastrahlen abgekriegt. Provokation würde nicht an mir vorbeiziehen oder sich den Weg durch meine Eingeweide fressen, sondern sie würden ein mehr oder minder entspanntes Ventil in einem explosivem Ausbruch finden. Das Blau meiner Augen würde einem Giftgrün weichen und in Sekunden würde mein sonst hervorragend funktionierendes Sprachzentrum nur noch rudimentäre Wortfetzen hervorbringen. Wer einmal den Hulk in Aktion gesehen hat, weiß: Den reizt man nicht.
Als Kind lernt man, dass man seine Gefühle unter Kontrolle haben soll – „ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ ( Wer sagt das eigentlich? Die Jungs, die den Indianer-Genozid gestartet haben?) oder auch gerne mal „das ist doch gar nicht schlimm!“ Wir kriegen also beigebracht, dass das, was wir empfinden, nicht richtig ist und dass andere Menschen viel eher dazu prädestiniert sind zu wissen, was wir fühlen. In dieser Zeit lernen wir auch, dass wenn der Björn einem die Bauklötze wegnimmt, man dem Björn einfach mal ein bis zwei Bauklötze über den Schädel ziehen muss, damit der lernt, dass er das lassen soll. Allerdings gibt es dann Schimpfe von den Eltern. Wir werden erzogen wie die Vulkanier, aber Emotionen haben mehr Factetten als das Auge einer Libelle, und wenn so eine Libelle einen kassiert, da hilft kein Steak – da muss schon die ganze Kuh her. Will sagen – was man da am Anfang kaputt macht, kann man später nicht so einfach reparieren.

Mein Vater mag Charles Bronson. „Ein Mann sieht Rot“,“Das Weiße im Auge“ – da geht es um Selbstjustiz und – so sehe ich das - dem Überwinden der Hilflosigkeit. Da geht es darum, sich nicht alles gefallen zu lassen. Ich merke, ich habe viel von meinem Vater. Die Menschen in der heutigen Leistungsgesellschaft sind es gewohnt, sich unterzuordnen. Man lebt mit der Angst, dass der übergeordnete Vorgesetzte Macht über einen besitzt, dass er unser Schicksal bestimmt. Widerworte und Kritik sind berufliches Harakiri, und grade deshalb ist die „Duck and Cover“-Haltung eine sehr beliebte. So werden Büroangstellte zu Chamäleons, die mit ihrer Umgebung zu verschmelzen scheinen. Die biedersten, steifsten Menschen sind meistens die größten Wendehälse – ein Paradox in sich, denn um seinen Hals zu wenden bedarf es einer gewissen Flexibilität.
Aber zurück zum Hulk, unserem grünen Monster, nicht zu verwechseln mit Herrn Hogan. Wer den Hulk kennt, weiß, dass sein Alterego Bruce Banner ein Mann ist, der sich seiner „Schwäche“, seiner Zerstörungswut bewusst ist. Aus diesem Grund befindet er sich permanent auf der Flucht vor den Leuten, die ihn jagen, die ihn provozieren. Aber eigentlich befindet er sich auf der Flucht vor sich selbst. Er steht nicht zu sich und seinem Potenzial – er geht in die Defensive.
Wenn ich sage, ich wäre gerne manchmal der Hulk, dann meine ich seine Unbeherrschtheit in Kombination mit seiner ungeheuren Kraft. Den Hulk fuckt man nicht ab. Dem Hulk serviert man kein kaltes Essen, dem Hulk kommt man nicht dumm in der E-Plus Hotline, dem Hulk verkauft man keinen schlecht funktionierenden Mobilstick, und man berät ihn auch nicht schlecht. Und warum? Weil der Hulk dann nämlich das Interieur zerlegt, und sollte das scheiß Callcenter im Ruhrgebiet stehen, dann springt er da hin, da drauf, und wenn er richtig mies drauf ist, dann macht er das ganze Ruhrgebiet platt. DESHALB wäre ich manchmal gerne der Hulk. Aber weil ich eben nicht Hulk bin, gucke ich gerne „Stirb langsam 1“ oder „96 Stunden“. Ich selbst muss mich ja den Gegebenheiten anpassen, den gesellschaftlichen sowie meinen körperlichen. Mein Arrangement mit mir selbst sieht folgendermaßen aus: Keine Gewalt, aber auch keinen verbalen Konflikt vermeiden – zum Verbal-Hulk werden sozusagen. Situation sei mein Coach und meine Couch. Klappt ganz gut, aber manchmal, ja, manchmal flüstere ich ganz leise: Bruce Willis, Bruce Banner – ich vermisse euch!

Montag, 20. September 2010

Die winkende Katze

Die winkende Katze

Ich habe versucht ein Huhn zu blenden – ganz klassisch – mit einem glühenden Schwert wie im Kurier des Zaren. Mich hat interessiert, ob es wirklich ein Korn findet. Darauf gekommen bin ich, als ich darüber nachdachte, ob Glück eigentlich Zufall ist oder eine Art Gabe.
Gustav Gans scheint eine Gabe zu besitzen, während Forrest Gump eher der Zufallstyp ist. Was ist also dieses Glück, das man auf so unterschiedliche Art haben kann? Welcher Typ ist das Huhn?
Wie uneindeutig und realtiv Glück ist, beschreibt am besten der alte Witz: Sind Zwei Männer vom Hochhaus gefallen – einer hatte Glück, er ist auf der Hälfte mit einem Auge an einem Nagel hängen geblieben. Ist das schon das viel beschworene Glück im Unglück oder ist das eher die „größeres Unglück im Unglück“-Variante? Unter welche Kategorie fallen ein Lottogewinn oder eine ungewollte Schwangerschaft?
Halten wir also fest, es gibt verschiedene Arten von Glück. Glück empfinden – zum Beispiel Frau gefunden, Heirat, Geburt, neue Nikes oder leckeres Essen – und dann gibt es noch die „Glückgehabt“-Situation – zum Beispiel der Himmel ist einem noch nicht auf den Kopf gefallen, die limited Nikes waren noch nicht ausverkauft, nur ein Arm ab und so weiter...
In beiden Fällen jedoch bedeutet Glück ein in gewisser Weise euphorisches Gefühl. Eine Sitaution wendet sich zum Guten oder eben nicht zum richtigen Armageddon.
Die Suche nach dem Glück ist so alt wie die Menschheit und vielleicht sogar noch älter. Ich könnte mir vorstellen, dass Gott nachdem er alles zusammengeknetet hatte eine Art Glück empfand. Vielleicht das Glück eines Modellbau-Fanatikers, der eine neue Teilstrecke fertig gekriegt hat.
Das Streben nach Glück ist unser Antrieb, Unglück oder unglücklich zu sein ist für die meisten – EMOS ausgenommen – ein nicht erstrebenswerter Zustand. Wobei man mal in den Raum werfen könnte, dass ewiges Glück irgendwie auch überbewertet wird – ich meine, wo ist da der Kontrast? Ohne Sonne keinen Schatten, und die wirklich miesen Tage lassen uns doch die guten genießen. Seit ich Vater geworden bin fällt mir immer mehr auf, wie versessen ich darauf bin, mein Kind glücklich lachen zu sehen. Ich tue alles, um dieses Gefühl bei dem Kleinen auszulösen. Sollte er mal zwischendurch neutral oder eher traurig, melancholisch gucken, starte ich gleich verschiedene Versuche, den „Normalzustand“ wiederherzustellen. Aber ist der Normalzustand eines Kindes oder eines Erwachsenen dauerhafter Endorphinausstoß? Sollte ich meinem Kleinen nicht auch mal eine „andere“ Laune zugestehen, ohne es gleich persönlich zu nehmen oder schon mal nach einem Psychiater zu googlen? Forme ich mein Kind damit bewusst unbewusst zu einer Grinsekatze, die denkt, sie müsse immer gute Laune habe, auch wenn es nicht so ist, nur um mich nicht zu enttäuschen?
Drogen bescheren ja vielen Partygängern ein temporäres Glücksgefühl, und auch in einigen Familien sind die bunten Glückspillen gern gesehene Gäste. Wenn ich so recht darüber nachdenke, so ist die Depression auch mein größter Angstgegner. Ich selbst sehe mich eher als Frohnatur, und die Vorstellung, dauerhaft geknickt zu sein, ist furchtbar. Die schlechte Laune, die Traurigkeit schwebt wie ein Damokles-Schwert über den Köpfen der Gesellschaft, und im Stress des Alltags oder durch die schönen bunten Bildern aus der Werbung vergessen wir zu oft die inneren Stimmen. Alle Menschen sehen gut aus und sind gesund und vital – außer denen aus den RTL-Reality-Dokus. Meine Frau hat recht wenn sie sagt, dass man nicht andauernd strahlend durch die Welt zieht. Sie sagt immer, ich solle es mal akzeptieren. Recht hat sie!
Ein Kollege sagt immer: Glück ist Geschick! Ich denke er meint damit, dass man sein Schicksal ein wenig mitbestimmen kann. Ein bisschen Disziplin, ein wenig Arbeitseifer und vor allem: den richtigen Blickwinkel. Yoda hat uns 1980 bereits erklärt, wie einfach die Dunkle Seite zu erreichen ist. Wer sich ständig darauf konzentriert, zu sehen, wie schlecht die Welt ist, wird seine schlechte Welt maßgeblich mitbestimmen, und zwar zum Negativen. Das wahre Glück liegt verborgen hinter einem Haufen Lügen, Klischees und Marketing-Kampagnen. Glück ist Einstellungssache. Die Frage bleibt: Warum hat dieser bescheuerte Timm Thaler sein Lachen verkauft? War doch klar, dass das eine doofe Idee ist. Ich lass die Katze winken!

Mittwoch, 1. September 2010

Die Deutsche Bahn - a never ending story

Friedlich ziehen sich die Gleise wie kleine Striche schier endlos bis zum Horizont – als hätte eine freundliche alte Dame zwei Wollknäuels für ihre Katze in Richtung Sonne gerollt. Am Fenster zieht die Landschaft vorbei und immer, wenn man an einem Signal-Mast vorbei rauscht, hat man das Gefühl, dass die Welt ein Daumenkino ist. Das gleichförmige Rumpeln wirkt beruhigend. Die Reise als Urlaub – die Fahrt mit der Bahn als spirituelles Ereignis – den Kopf befreiend – die Laune hebend. Praktikabel, aber dennoch nicht seelenlos. Man sinkt in den watteweichen Sitz, schließt die Augen und lässt die Gedanken treiben. Langsam verlässt man diese Welt, um sich in Morpheus Armen wiegen zu lassen. Hier, abgeschottet in einem Kokon aus Kunststoff und Stahl, ist die Welt eine bessere. Hier gibt es nur gut aussehende, entspannte und freundliche Menschen, deren Lebenssinn darin zu bestehen scheint, nur für mich da zu sein und für meine Bedürfnisse.

DAS ist, was uns das Marketing der Deutschen Bahn versucht in unseren zerebralen Kortex zu implantieren. Die Realität hingegen sieht leider anders aus. Sie ist düster – feindlich und ein wenig spooky wie die verlassene Neverland-Ranch. Die Bahn ist ein Paradies, aus dem Adam und Eva durch einen Tunnel geflohen sind. Jeder, der sich jemals einer Karawane Bahnreisender angeschlossen hat, weiß, dass es notwendig ist, genügend Flüssigkeit mit zu nehmen denn – Deutschland und ganz besonders DIE Deutsche Bahn ist eine Service-Wüste. Jeder Zugbegleiter ist ein Skorpion, jederzeit bereit seinen giftigen Stachel in unsere Körper zu stoßen.
Ich habe von japanischen Zugführern gelesen, die Sepukku begangen haben, weil ihre Züge Verspätung hatten – wenn sich dieses Konzept hier durchgesetzt hätte, dann wären so ziemlich alle Strecken in Deutschland stillgelegt und die Transnet aufgelöst. Vor meinem geistigen Auge seh’ ich mich auf einer tiefer gelegten Draisine mit einem 1-Euro-Jobber als Schaffner schwitzend in den Sonnenuntergang pumpen.
Zugführer und Zugbegleiter waren lange Zeit wirklich ehrbare Berufe. Die Verantwortung der Menschenbeförderung ließ sie mit stolz geschwellter Brust durch die Welt schreiten und sich den Schnurrbart zwirbeln. Die Verbeamtung als schwebenden Gang durch das goldene Tor des Himmels in den Schoß der staatlich abgesicherten Vollversorgung. Sie waren Kapitäne der Neuzeit – Kapitäne des Festlandes. My home is my castle – mein Zug ist mein Phallus. Das Monopol der Bahn war und ist das Lebenselixier ihrer Parallelwelt – ein – so wirkt es auf jeden Bahnkunden – rechtsfreier Raum. Hier sind sie Charles „Motherfucking“ Bronson – DAS GESETZ und wir sind nur wilde Rothäute die von der Technik des weißen Mannes nichts verstehen.
Das stählerne Ross ist kaum zu bremsen – hin und wieder hält es an, um sich den Magen mit Reisebedürftigen voll zu schlagen – menschlicher Hafer für die Bestie. Wir Menschen haben die Möglichkeit zuzusteigen. Monk oder der Hase aus Alice im Wunderland würden Amok laufen, denn gefühlte 98% aller Bahnen kommen einfach zu spät. Interessant eigentlich, denn in meiner Welt fahren ja Bahnen auf fest installierten Schienen und ich sag mal – spontanes Abbiegen ist da nicht so populär. Ich meine – so viele Verspätungen wie es tagtäglich gibt – so viele Leute können gar nicht vor die Züge springen, ohne dass die BRD bald menschenleer wäre. Auch interessant ist der gerne benutzte Terminus „Böschungsbrand“. Ich sag mal – würde mein Garten kurzzeitig mit Napalm bombardiert werden, dann würde ich auch aufhören den Rasen zu mähen. Aber was macht so ein Böschungsbrand? Welche unglaublichen, sonnenoberflächengleichen Temperaturen entwickelt Gestrüpp, wenn es damit sogar die weiße Schlange stoppen kann? Die Bahn und die Börse passen eigentlich ganz gut zusammen – beide sind nie um eine Ausrede verlegen, mag sich auch noch so hanebüchen sein.
Ich bin kein Pendler. Das macht mich wahrscheinlich zum glücklichsten Menschen der Welt. Ich war temporär Pendler. Für einen Monat durfte ich den Luxus der DB genießen und täglich von Hannover nach Hamburg fahren. Es ist bequem. Es ist entspannter als Auto fahren auf der A7 - ABER MAN IST UNPÜNKTLICH! JEDEN TAG! Was da los?
Erlebnisbericht:
Es ist jetzt schon etliche Jahre her, aber ein Erlebnis veränderte meine Einstellung zur DB von Grund auf. Bis zu dieser Erfahrung war ich ein mehr oder minder verständnisvoller Bahnfahrer, der gerne mal ein Auge zudrückte, wenn es zu – sagen wir – Schwierigkeiten im Bahnverkehr kam. Verspätungen kommentierte ich mit einem Schulterzucken und den Preis für die Fahrt mit einem Lächeln.
Dann fiel die Bahn in Ungnade und zwar so dermaßen, als hätte Eva nicht nur in den Apfel gebissen, sonder als hätte sie alle möglichen Apfel-Variationen beim Kochduell mit der hinterlistigen Fotz-Schlange ausprobiert.
Ich kam von einer Tour. Ich mache Musik und stand etwa vier Wochen so ziemlich jeden Abend auf der Bühne. Für diejenigen, die sich nicht damit auskennen, kann ich sagen, es ist sehr sehr anstrengend. Jeden Tag mindestens zwei Stunden auf der Bühne stehen alles geben – schwitzen – heiser werden – wenig schlafen – wenn schlafen, dann im Bus. Jeden Tag woanders aufwachen und sich neu orientieren. Fakt: Das geht auf die Konstitution und kann einen ganz schön plätten. Touren ist eine schöne Tortur – ein Ausnahmezustand.
Jetzt war also unsere Tour zu Ende und alle anderen fuhren im Bus Richtung Heimat. Unser letztes Konzert spielten wir im wunderschönen Franken und ich beschloss die Bahn zu nehmen, denn ich hatte einen wichtigen Termin mit meiner Plattenfirma in Hamburg und die Bahn stellte die bequemsten und schnellsten Weg da, dorthin zu gelangen. Ich hatte eine Zugreservierung, eine Bahncard und – trotz Müdigkeit – gute Laune. Ich stieg voll gepackt wie ein Maultier zur Goldgräberzeit in den Wagon und setzte mich auf meinen Platz. Der Zug fuhr los – ich schloss die Augen und entspannte mich. Nach etwa 5 Minuten hielt der Zug – dann folgte die Durchsage, der Zug habe einen Schaden – welch Überraschung – und wir müssten in einen bereits bereitgestellten Zug umsteigen. Gesagt getan – ich nahm mein Gepäck und schleppte mich in den anderen Zug. Hier waren allerdings die Platzreservierungen NICHT gültig. Überall saßen Menschen. Auf den Gängen – in den Zwischenräumen der Wagons – einfach überall. Es gab keinen freien Sitzplatz mehr. Meine Laune wurde schlechter. Der einzige Platz, an den ich mich HINSTELLEN konnte, war der Übergang zwischen Bordrestaurant und der leeren Ersten Klasse.
Nach zirka einer halben Stunde klopfte mir jemand auf die Schulter, als ich Gedankenversunken aus dem Türfenster schaute. „Guten Tag, Ihren Fahrschein bitte!“ - Ich stellte meinen Walkman leiser, griff in die Tasche und gab dem Kontrolleur mein Ticket. Danach platzierte den Walkman-Kopfhörer wieder in meinem Ohr und fiel langsam wieder in meine Apathie. Es klopfte erneut auf meiner Schulter. Ich entfernte den Kopfhörer und sagte: „Ja, bitte!?“ – der Schaffner antwortete: „Sie können hier nicht stehen bleiben, Sie haben nur ein Ticket für Klasse 2!“ Ich lächelte, zwinkerte ihm zu und im Zur-Seite-Drehen steckte ich mir den Kopfhörer wieder in mein Ohr. Es klopfte erneut. Ja, Penetranz ist Ausbildungsziel. Ich drehte mich zu ihm – das gleiche Spiel und er wiederholte seine Aufforderung an mich, den STEHPLATZ zu verlassen. Es machte brz, dann zing und dann ein chuurzzzz... für ihn unhörbar riss mein Geduldsfaden. Es war ein schmerzhafter, heller Klang, als würde der Teufelsgeiger persönlich auf einer ungestimmten Stradivari in meinem Gehirn ein Konzert nur für mich spielen – auf einer Seite.
Ich sagte: „Das ist nicht Ihr Ernst, ich STEHE im Gang – mein Zug hatte einen Schaden – hier ist meine Reservierung, die hier in diesem Zug NICHT gültig ist und Sie wollen jetzt, dass ich die nächsten vier Stunden nach Hamburg genau WO verbringe!?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber hier können Sie definitiv nicht bleiben. Sie haben nur einen Fahrschein für die 2.Wagenklasse!“ – Immer, wenn ich das Gefühl habe, mir wird irgendwie kein Respekt entgegengebracht – und ich meine nicht den Respekt der Straße, sondern den einfachen normalen zwischenmenschlichen Respekt –, dann fange ich automatisch an die Leute zu Duzen – also genau die Leute, die sehr viel Wert auf das SIE legen. Außerdem musterte mich dieser komische Mann. Er betrachtete mich von oben bis unten – starrte auf meine Camouflage-Jacke, meine Baggy-Jeans und auf meine Nike-Sneakers. Schaute verächtlich auf den iPod in meiner Hand und seine Blicke ließen mich wissen – er ist der festen Meinung, dass ich hier nichts zu suchen habe. Kleider machen Leute.
Ich mag es nicht, das ins Spiel zu bringen, aber die Klamotten, die ich zu diesem Zeitpunkt an meinem Körper trug und die, die ich zudem noch in meiner Tasche hatte, hatten mindestens den Wert seines halben Monatsgehalts. Ich weiß genau, hätte ich einen Anzug getragen, dann hätte mir der komische Mann einen Platz besorgt oder mich stehen lassen – aber ich trug keinen Anzug. Ich sagte: „Das hier ist nicht die erste Klasse oder die zweite, dass hier ist die dritte Klasse – das hier ist Viehwagon – Stehcafé – das hier ist ein Scheiß-Steh-Platz auf einem Scheiß-Castor-Container! Ich gehe nirgendwo hin! Ich bleibe genau hier stehen – keine Angst, ich gehe nicht weg, aber ich werde jetzt aufhören mit dir zu sprechen! Hol mir den Zugchef!“ Er schaute mich an, machte auf seinem Absatz kehrt und ging. Er blieb nach ca. drei Metern stehen, drehte sich zu mir um und sagte, ich solle ihm folgen. Ich – tat nichts. Als dann der Zugchef kam, drohte dieser mir mit dem Bundesgrenzschutz und allem möglichen – eine zirka 15 minütige Diskussion entbrannte. Am nächsten Bahnhof fand man dann doch einen Platz für mich, aber seit dem – ja, seit dem hab ich ein Problem mit der Bahn.

Ich meine – was ist mit „der Kunde ist König“ und mit Service? Ich habe bezahlt, aber keinen Anspruch auf das Bezahlte. Ich könnte Briefe schreiben an die Bahn und würde entweder eine Entschuldigung und einen Kaffee-Gutschein bekommen oder gar nichts. Die DB ist Gesichtslos – und Charakterlos. Hätte sie einen Charakter, dann wäre es ein schlechter – ein Al Pachino im Auftrag des Teufels Charakter – ein Agent Smith des Systems. Gegen die Bahn antreten ist wie Schattenboxen – man gewinnt nur den Kampf gegen sich selbst. Man lernt – dass es sich nicht lohnt die Hydra der Service-Hölle zu bekämpfen. Sun-Zu würde sagen, dass Aufgabe der logische Weg ist, denn Aufgabe schont die Kräfte und einen Krieg zu kämpfen, den man nicht gewinnen kann, macht keinen Sinn.
Hilflos stehen die Bahnkunden am Rand und schauen zu, wie mit ihnen gemacht wird, was sie nicht wollen. Ich stehe mitten drin – chancenlos etwas zu ändern – Wutadern dick wie Mammutbäume – Augen wie stechende Dartpfeile und angespannte Kieferknochen in der Größe einer Pellkartoffel.
Es sind nicht die Menschen, die ich meine, denn ich habe auch ganz viele wirklich coole und nette Schaffner getroffen, aber das System ist KRANK! So lange es keine Alternative gibt, solange die Bahn ihr Monopol hält und so lange wir auf die Bahn angewiesen sind, so lange wird sich nichts ändern. Die Bahn folgt dem Gesetz unserer Welt – wenn man ein Monopol besitzt, dann kann man einfach machen was man will. Mein Freund und Anwalt sagt immer: „Der Teufel kackt immer auf den dicksten Haufen!“ DAS ist Weisheit! Im Ernst – die Bahn macht Gewinne und erhöht trotzdem die Preise. DAS IST MACHT! Scheiße – Darth-Fucking-Vader und der Scheiß-Imperator hätten bei der Scheiß-Bahn arbeiten können. Beam me up, Scotty! Beam mich durch die Gegend!

games.com 2009

...und sie waren alle da. Und mit alle meine ich - ALLE! Gefühlte sechs Milliarden Menschen, plus zirka 2,5 Millionen Avatare, inklusive 1,7 Millionen schizophrene Spaltpersönlichkeiten. Die Games.com - ein Event der Superlative. Nach dem Umzug von Leipzig nach Köln wehte ein Wind des Aufbruchs durch die Marketingetagen der Software-Hersteller aller Herren Länder. Sie setzten die Segel und steuerten ihre Schiffe durch die unwegsamen Gewässer im Haifischbecken der Hardcore-Gamer, um im Auge des Orkans ihren Programmcode an den Mann zu bringen.
Mein Auftrag war ein Entertainment-Programm der Sonderklasse auf die Activision-Guitar-DJ-Hero-Bühne zu bringen. Für Stimmung sorgen – das eine oder andere Produkt zu erklären und den Wissensdurst der Besucher stillen. Und ich tat wie befohlen – a call of duty – ich salutierte und stürmte mit einem auf mein Mikrofon aufgesetztes Bajonett auf die Bühne.

Da waren sie nun, die Soldaten der Neuzeit – die Konsolen-Krieger, die Tastatur-Titanen – sie bahnten sich ihren Weg durch den Präsentations-Dschungel und bekämpften die nahende Dehydrierung mit "Energy-Drinks für 69 Cent" in 1,5-Liter-Flaschen von Lidl – pures Gift. Sie verschanzten sich am WOW- oder am Diablo Stand – nahmen wie gut ausgebildete Scharfschützen die Wartezeit von bis zu 4,5 Stunden in kauf, nur um kurz zu spielen oder – noch viel absurder – jemandem beim spielen ZUZUSCHAUEN!
Ich sah kleine Zelda-„Links“ und stämmige russische Kugelstoßerinnen als Snake aus Metal Gear Solid – ich sah alt und jung – groß und klein – und alle hatten diesen Jagdinstinkt. Ihre Augen glanzlose, stumpfe, milchglasartige Schulhofmurmeln, die ihre besten Tage bereits hinter sich hatten. Haut, so schwammig und blass, als hätten sich der Marshmellowmann einer Tofu-Hauttransplantation unterzogen. Hände wie Greifwerkzeuge urzeitlicher Krustentiere – immer bereit zuzuschnappen. Augenringe von Köln bis Mordor, so unergründlich wie die Ringe des Saturns – tiefhängende Säcke, die eine wunderbare Reminiszenz an Horst „Derrick“ Tappert waren und zu guter Letzt – alle besaßen den Wortschatz eines Cro-Magnon.
„T-Shirt?“ – „Tüte?“ „haben wollen!“ - wären sie Pantoffeltiere, man würde sie bestaunen, man würde sie feiern – sezieren und untersuchen. Man würde sie auf den Thron der Evolution heben, aber es handelt sich hierbei nicht um die Kontaktaufnahme von Einzellern mit der menschlichen Spezies, es ist die Krone der Schöpfung selbst, die das Wort ergreift. Es sind die Wortbrocken ganz normaler, 14jähriger Pisastudien-Beweise – atmende Zweibeiner, ausgestattet mit einem mutierten Gamer-Daumen und einem rudimentären Sprachzentrum. Sie kamen allein oder mit Freunden oder allein mit Freunden. Manche waren angezogen wie Fabelwesen, andere schwebten schier, wie androgyne Wesen zirka zwei Zentimeter über dem Boden – trugen bunte Kontaktlinsen und Perücken. Willkommen im Wunderwald.

Mein erster Tag vor Ort war der Presse- und Händlertag. An diesem Tag kommt kein Consumer in die Halle, sondern nur die, die sich aus „rein“ geschäftlichen Gründen informieren wollen. Dieser Tag ist eigentlich immer ein wenig langweilig, weil sich die Händler von Termin zu Termin schieben ohne ein bisschen für MEINE Unterhaltung zu sorgen. Tristesse. Natürlich wird trotzdem von uns erwartet, volle Leistung zu bringen. Ich fühlte mich wie im alten Rom zur Sommerferienzeit – Brot und Spiele für das Volk, ruhig mal ein paar zerlegte Gladiatoren, aber das Kolosseum ist GÄHNEND leer – also das Volk fehlt. Keiner wollte stehen bleiben. Niemand wollte partizipieren. Eigentlich sind sie ja selber Fans, aber im Gegensatz zu den Besuchern am nächsten Tag, wollten diese hier es nicht zeigen. Das Ende des Tage glich seinem Anfang und seinem Mittelteil – es war wie Sex ohne Orgasmus – nicht schlecht – aber anstrengend und im Endeffekt unbefriedigend.

Tag Zwei. Macht hoch die Tür, die Tore macht weit ... die Barbaren standen vor den Toren und belagerten uns. Im Einzelhandel nennt man so was RUN, im Krieg würde man sagen: „Die haben uns einfach überrannt!“ Wir verbarrikadierten den Backstagebereich und flüchteten auf die Bühne. Hier standen sie, wie von einem Bannzauber gehalten – Zombie-esk – nur eine Armlänge entfernt und bereit, unseren gesamten Vorrat an Promotion-T-Shirts mitzunehmen. Entschlossenheit in ihren Blicken – der Wille zu gewinnen in ihren Augen, aber leider auch ein Mangel an Kraft in ihren Muskeln durch das viele rumsitzen vor ihren Konsolen. Sie schreien. Sie betteln. Sie versuchen zu bitten. Lautmalerei.
Heute erwarteten wir gleich zweimal hohen Besuch. Der Erste war Kool Savas – der Rapper aus Berlin mit dem kleinen Wohlstandsbäuchlein und dem unverwechselbaren – hier – Dingenskirchen. Der nächste Besuch war dann auch gleich Kontrastprogramm. Die fantastischen Vier. Also hier nur zu zweit – bzw. wenn man den Bären – ihren Manager dazu rechnet, dann zu dritt. Alle zack auf die Bühne. Im Backstage vorher viele viele Interviews gegeben und dann an die Konsole. Dafür hat sie Activision hergekarrt. Traumhaft! Sie waren dann kaum wegzukriegen die Jungs. Der Bär stand wie ein – äh – Holzbär – relativ steif – ein Steifbär – an der Gitarre oder am Bass – keine Ahnung. Der Thomas freute sich tierisch. Der Smudo saß am Schlagzeug und konzentrierte sich, Denkfalten zerfurchten seine Stirn. Das Publikum schaute gebannt zu. Wir warfen Shirts und dankten Gott für das Ende des Messetages.

Tag Drei. Halber Murmeltiertag. Ich glaube Activision hat eine komplette Baumwollplantage zu Promo-Shirts verarbeiten lassen. Die Sonnenbrillen im 80ziger-Jahre-Look kommen bei den Kids super an – sie waren ja auch nicht dabei – bei den 80zigern – meine ich. Wir machten Spiele mit den Menschen: "Schreit dies – sagt das und alle machen mit." Pavlov hätte seine Freude daran gehabt.
Nächster großer Prominenter – Tony Hawk – ja, DER Tony Hawk. Er kam, um sein neues Spiel vorzustellen. Interessanter war der dazugehörige Controller. Ein Skateboard OHNE Rollen. Wahnsinniges Ding! Blitzlichtgewitter – Fragen an Tony – Antworten von Tony – kurzes Spiel gegen einen Besucher und ZACK – weg war er. Tat gar nicht weh. Ist ein netter – der Hawk. By the Way – er hat noch eine Hammer-Nummer in der Halfpipe abgezogen. Dann: Aufruhr im Vogelpark – ne, missverständlich ausgedrückt – nochmal – jetzt Aufruhr wie auf einer Vogelfarm, wenn der Fuchs zu Besuch kommt. Teilnehmerinnen der Germany next Topmodels sollen zu uns auf die Bühne kommen. Hui! Dann kamen Larissa, Sarina, Maria und Ira - frenetischer Applaus. Gefühlte 2 Millionen Handy-Cams umschwärmten sie wie Vögel – hier wiederum hätte Hitchcock seine Freude gehabt. Auch sie mussten ran an die Konsole. Performance-mässig lag Larissa weit vorn. Sie warf sich auf den Boden, verzog das Gesicht und guckte rockig. Kurzer Talk auf der Bühne. Längerer Talk hinter der Bühne. Sarina ist genauso wie im Fernsehen. Ich find's süss. Larissa guckt gerne in den Spiegel – komischerweise nicht nur in unbeobachteten Momenten. Wenn sie zwischendurch vergisst, welche Rolle sie in der Staffel hatte, dann ist sie lustig. Maria ist gaaaaaaaaaanz gechillt – Ira ist bodenständig. Ira und ich sind jetzt Facebook-Freunde.

Tag 4. Lagerkoller. Gefangen in einer Zeitschleife. Zwischen Standparties und dem Wissen, am nächsten Tag wieder voll da sein zu müssen. Meine Stimme klang bereits wie das letzte Röcheln eines alten Blasebalgs. War noch vor zwei Tagen alles neu und interessant, so ist es jetzt einfach – anders – und zwar wie immer. Das ist wie immer McDonalds oder Miracoli. Aua!
Bestandsaufnahme: T-Shirts gingen zur Neige, Brillen waren aus. Publikum immer noch auf Kopfdisco. Auf allen anderen Bühnen passierte seit Tagen das Gleiche – ich bin stolz auf uns. Auch wenn unsere Aktionen immer sinnentleerter geworden sind, wir durchbrechen die „Zurück in die Zukunft“-Situation und sind NEU! Meine Spielerklärungen verloren ganz klar an Enthusiasmus. David Guetta kam und ich hatte keine Ahnung wer das ist, bis ich dann mal ge-you-tubed habe. Ich werde alt. Ich werde unaktuell. Am Ende des Tages war sprechen anstrengend. SEIN war anstrengend.

Fünfter und letzter Tag. Ich war drin. Das ganze Ding hat mich aufgesaugt. Das war meine Realität. Leben um zu arbeiten. Katerstimmung überall. Trauer, dass es vorbei sein wird – um 18 Uhr. Dienst nach Vorschrift. Wir hatten nichts mehr. Keine Shirts, keine Brillen, keine Aufkleber, keine Energie und keine Hoffnung.

Das war Stronghold vor den Toren Kölns. Die Soundeffekte der anderen Stände hämmerten wie die Zwerge in den Minen von Moria eine immergleiche Melodie. Der Wahnsinn kam mit leisen Schritten...und dann...ging es so plötzlich vorbei, wie es angefangen hat: Man reichte sich die Hand, klopfte sich auf die Schulter. Man bekam gesagt, dass das Publikum den Messestand als "besten Stand der Messe" bewertet hatte und man selbst – fühlte sich einfach nur unendlich müde.


Mein Resümee:
Das war eine richtig richtig gute und vor allem lustige Messe. Ich bin nach Hause und hab meine X-Box angeworfen. ICH BIN GENAUSO WIE DIE LEUTE DIE ICH BESCHRIEBEN HABE. Auch wenn es mir fern liegt, mich wie der Protagonist meines Lieblingsgames zu kleiden, so finde ich es super, dass die anderen das machen – und zwar mit einer Selbstverständlichkeit, wie sich die meisten in einen Anzug quetschen um seriös zu wirken. Kleider machen Leute, und diese Leute machen die Games.com. Inklusive mir versammelt sich da ein Haufen Verrückter, um den Bits und Bytes die Ehre zu erweisen. Mit 36 noch 15 sein – wir bewegen uns zielstrebig auf die Unsterblichkeit zu. Die Games.com ist wie die Welt – manchmal dunkel, manchmal hell. Man sieht wie sich Klischees bewahrheiten und auch, wie Klischees ihre Daseinsberechtigung verlieren. Ich freue mich auf die nächste Games.com. Wir sehen uns!

How to keep a Girl

Ein Freund bat mich, ihn an meinem überaus großen Erfahrungsschatz im Bezug auf Frauen und Beziehungen teilhaben zu lassen. Er hatte eine kleine Krise und da Weihnachten ist und er es sich so gewünscht hat, habe ich ihm folgendes geschrieben:

How to keep a girl


Am Anfang war.....

das verdammte Feuer. Glaubt man der Schöpfung war erst der Mann am Start und als Gott merkte das dieser Langeweile hat – es gab ja noch keinen Fußballclub oder einen Stammtisch im Paradies – da hat er ihm dann die Eva aus der Rippe geschnitten. Schlechter Start für eine Beziehung und vor allem das beste Argument der Machos – Frauen sind „nur“ eine Rippe. Unterschichten TV Gucker bringen eh das Paradies UND Beziehung NICHT zusammen. Sowieso ist es mit der Beziehung von Mann und Frau nicht so weit her – ich meine – viel zu oft fußt eine Beziehung auf völlig überholten, ja archaischen Grundlagen. Nimmt man sich z.B. einen Text aus „Der Fischer und seine Frau“, dann wird einem klar, warum viele Beziehungen zerbrechen. In dem Lied heißt es:“Meine Frau die Ilsebill will nicht so, wie ich wohl will!“ Ob es hierbei jetzt um Sex geht oder lediglich um die Freizeitplanung kann ich nicht sagen, aber ich denke in einer gesunden Beziehung geht es immer um eine gewissen Kompromissbereitschaft. Der Fischer ist pissig, weil seine Frau ihre eigenen Vorstellungen hat – welche ja vollkommen legitim sind und er jammert damit auch noch einen Fisch voll. Nur weil der Mann evolutionstechnisch eher das Mammut zersägt hat, als sich um die Aufzucht der kleinen zu kümmern, heißt das nicht, dass die Frauen den leichteren Job gehabt hätten. Jeder Vater weiß wovon ich spreche. Dieses Jäger und Sammle Ding ist eben auch eine Art Kompromiss. Es wird abgewägt, wer für welchen Job geeignet ist. Im Grunde genommen ist das Leben wie beim A-Team – da hat jeder seine Rolle. Niemand würde Face (Dirk „Starbuck“ Benedikt a.k.a. Der 80er Womanizer) einen riesigen Hammer in die Hand drücken und sagen: „Los, bau diesen Traktor in einen Panzer um!“ - Nein, das macht der eher grobschlächtige BA Baracus (Lawrence Tureaud a.k.a. Mr. T a.k.a. Clubber Lang) der wiederum auch nicht grade in einer Schweizer Uhrwerke Werkstatt als Feinmechaniker eingestellt werden würde. So hat jeder seine Spielposition. Ich möchte allerdings an dieser Stelle auch betonen, dass ich es vollkommen okay finde, wenn man mit einer russischen Kugelstoßerin leiert ist, dass sie beim Umzug die Waschmaschine in der vierten Stock schleppt – ohne schlechtes Gewissen.

My Secret Pony spielt Fußball

Wenn man klein ist – und ich meine mit klein jetzt nicht die Körpergröße, sondern das Alter, dann findet man das andere Geschlecht erst spannend und dann schlicht und ergreifend „voll Scheiße“ - außer man ist vielleicht Antonio Banderas – der hat so was Latin-Lover-mässiges, der fand Frauen bestimmt immer super. Ich könnte jetzt hier über die anerzogene Rollenverteilung sprechen und die folgen für unsere Gesellschaft, aber so groß wollte ich das hier eigentlich gar nicht aufhängen. Fakt ist – leider ist es immer noch so, dass die Mädchen laut ihrer Eltern lieber mit dem Plastik-Pony spielen und die die Jungs dem Ballsport zugetan sind. Letztens sagte mir eine Freundin sie fände Frauen-Fußball unästhetisch. Abgesehen davon, dass mich „Kick it like Beckham“ noch weiter in Richtung Pro-Frauen-Fußball gebracht hat, habe ich mich gefragt, unter welchem Gesichtspunkt man sich so etwas anguckt. Hätte ich als Mann diese Aussage getroffen, dann hätte ich gleich eine riesige Diskussion am Arsch gehabt. Chauvi und Neandertaler – bei euch Kerlen geht es nur um das eine! Worauf ich eigentlich hinaus will ist doch folgendes – Männer und Frauen wollen in den meisten Fällen das gleiche und im Star Trek Universum geht das auch, nur hier noch nicht. Viele Haltungen und Erwartungen sind doch anerzogen und abgeguckt.

Pretty Woman und andere Cindys aus Marzahn

Mädchen wurden in meiner Jugend (ich bin Jahrgang 1973) so in etwa mit 12 als okay angesehen, mit 13 als interessant und mit 14/15 erfüllte es einen großen Teil des Cerebralen Kortex plus das, was er umhüllt. Die Bravo versorgte uns früher mit tollen Postern von den tollsten Frauen – den Pretty Womans der Welt. Ich war unsterblich verliebt in Brooke Shields und hatte auch extrem Lust mit so einer Braut ALLEINE in einer blauen Lagune zu stranden und den wenigen Verpflichtungen nachzukommen, den so eine Situation mit sich bringt: Nahrungsfindung und vor allem FORTPFLANZUNG. Der männliche Darsteller dieser Schmonzette „Christopher Atkins“ war ja in einer beneidenswerten Situation – keine Konkurrenten, kein H&M und es gab verdammt wenig anzuziehen. Er musste sich NICHT bemühen. Er konnte eigentlich nichts falsch machen. Man muss allerdings auch sagen, dass das Prinzip des Films ja auch in der Attraktivität der Darsteller lag. Hätte man das ganze mit Wiegald Bonig und Ciny aus Marzahn verfilmt....
Nun ja, das Leben ist nicht die Blaue Lagune und wir alle haben unsere Aufgaben. Wir alle haben vor allem unzählige Optionen und deshalb können wir uns nicht auf die faule Haut legen. Nicht jeder ist ein Al Bundy oder Homer Simpson – wobei die sogar einen Job haben. Beziehung heißt auch „Arbeit“!

Bist du öfters hier?

Bevor man allerdings in den Genuss einer Beziehung kommt, muss man diverse Hürden überwinden. Als erstes die Hürde des Kennenlernens.
Fakt ist: Anmachsprüche sind meistens trist. Fakt ist allerdings auch – die größten Trottel mit den beschissensten Sprüchen kriegen die heißesten Geschosse. Mit heißen Geschossen ist in diesem Falle übrigens nicht der intellektuelle Aspekt gemeint. Bis auf wenige Ausnahmen finden die Männer – also NICHT wir Männer – Frauen attraktiv, die auf ihre Attraktivität wert legen. Leider sind das dann DouglasVeromodaSonnenbank Frauen und nicht bebrillte, asiatische Manager-Girls mit streng zurück gelegten Haaren. Nun ja, egal welche Beute man sich aussucht – Cindy Lauper hat schon mal den wichtigsten Punkt in Sachen Anmache und spätere Landung auf den Punkt gebracht: „Girls just wanna have fun!“
Wer sich also eine aufreißen will, sollte daran denken, dass nichts hinreißender und überzeugender ist, als ein Lachen – für beide Parteien versteht sich. Meine Frau sieht das fast genauso, sagt aber, dass sie früher eher die „La Boum“ mässige Liebe gesucht hat. Ich habe vergessen sie zu fragen, ob sie die in mir gefunden hat. Ich werde nicht mehr fragen! Angst vor der Antwort. Zurück zum Thema. Frauen wollen Spass. Spass zu Hause, draußen, Im Bett, in der Disko, im Auto und überhaupt überall. Mit Spass meine ich jetzt nicht Boris Becker Samenraub Spass oder Thekenschlampen Spass, sondern einfach SPASS. Lachen ist der Schlüssel zur Welt. Okay – Ausnahmen hierbei sind glasklar Gothiks, Emos und Casper-Fans. Ich meine, wer sich aus Spass die Rasierklinge quer über den Arm zieht, kann einem lustigen Kalauer eher weniger abgewinnen.
Ganz ehrlich – ich kenne keine Anmachsprüche. Null! Ich mache das über meine Art zu tanzen...............NOT! Ich bin eher der Typ derber Humor, Damit geht das aussieben recht schnell. Wer dann eher den Mund verzieht ist raus aus der Nummer. Die einzige Anmache die ich gerne mal ausprobieren möchte ist, die Worte des Billie Ocean aufzusagen – mit diesen Worten eine Frau zu überzeugen mit zu kommen und sich bügeln zu lassen wäre ein Traum. Na, wer kennt den besten und deepsten Satz? „Get out of my Dreams, get into my car!“ Wow! Diese wohl gelungenste Umschreibung von: Ich hab kein Bock mir auf dir einen zu keulen, lass ma richtig rummachen! Ist doch der Hammer. Manche Frauen mögen so was einfaches, ABER....

some Girls are bigger than others!

Genau wie wir Männer, wollen die Frauen nicht morgens neben Gesichter des Todes 1-5 aufwachen. Deshalb: Wähle mit bedacht! Ganz ehrlich, dass schönste ist es doch, wenn nicht nur die reine Lust regiert. Ich denke, man entdeckt sich doch langsam und somit auch seine bzw. ihre Vorlieben. Wer fragt schon – ausser vielleicht Sido – beim ersten Date nach einem Arschfick? Es gibt Frauen, die mögen es direkt – es gibt Frauen, die mögen es in den Popo, aber die wenigsten Frauen mögen den direkten Weg zur „Kellertreppe“. Es gibt ihnen das Gefühl billig zu sein, wenn sie frenetisch JA schreien. Frauen wollen geheimnisvoll bleiben – stille Wasser sind tief mässig – auch wenn viele Pistenbekannstschaften eher die Tiefe einer Pfütze besitzen.
Viele Frauen wollen auch gar nicht den einen Traumprinzen. Wenn man zum Bespiel die Weather Girls hört, dann wollen die ja, dass es Männer regnet. In ihrem Falle tendiere ich zu der Aussage, dass sie sie allerdings verspeisen wollen. Wie gesagt, some Girls are bigger than others.
Was ich ja an dieser „some girls“ Nummer wichtig finde ist ja, dass es für mich bedeutet, dass so manche Frau einfach größere Ansprüche haben. Das wird einem ja spätestens nach einer Folge Frauentausch klar. Das heißt für uns Kerle – Hand vom Sack und Arsch von der Couch – auch mal eine Rose gekauft und ein Buch gelesen um darüber zu reden. Männer glauben ja immer, sobald sie erstmal eine Frau im Auto haben steigt sie nie wieder aus. Männer haben das Privileg zur Trennung – Frauen nicht. Schwachsinn! Frauen sind wie Blumen, wenn man....nein, besser – Frauen sind wie Fische und unsere Liebe wie eine gute Angelausrüstung – wenn man da die Blinker nicht regelmässig putzt und kontrolliert beißen sie woanders an.
The Girl from Ipanema mag man vielleicht bei Wasser und Brot halten können, aber will man eine Frau oder einen zu fickenden Goldfisch !?

The Day after tomorrow

Ich bin mit meiner Frau jetzt seit über 13 Jahren zusammen. Vor 3 Monaten haben wir geheiratet und wir haben einen 7 Wochen alten Sohn. Wenn ich es mir recht überlege, dann basiert unsere Beziehung auf den Grundfesten der Nationalhymne – Einigkeit und Recht und Freiheit - gepaart mit folgender Maxime: Lieber einen guten Freund verlieren, als eine gute Pointe! Wobei mit Freiheit nicht so ein „offene Beziehung – Swinger Club Ding“ gemeint ist. Das hat bisher ganz hervorragend geklappt und es ist kein Ende in Sicht. Ich denke Offenheit, der Wille zur Veränderung – die Akzeptanz der Andersartigkeit des anderen, dass sind die essentiellen Punkte, um eine Beziehung zu festigen. Sprechen – über alles. Nichts verheimlichen und vor allem Ehrlichkeit. Nicht jetzt unbedingt Jim Carey der Dummschwätzer Ehrlichkeit, aber....Du weißt schon. Man muss sich auf das Leben zu zweit einstellen – Kompromisse eingehen und bereit sein, sich zu arrangieren. Man muss den anderen respektieren – jeden Tag - wenn du alles das beherzigst, dann – ja dann klappt es auch mit dem Nachbarn.